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„Altarpredella der Kirche zu Schmölln, UM“, Witold Dusinski, Möhringen/Mierzyn
„Altarpredella der Kirche zu Schmölln, UM“, Witold Dusinski, Möhringen/Mierzyn

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …“

 

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …“ sagt Jesus in der Versuchungsgeschichte bei Matthäus 4. Die auf dem Titelbild dargestellte Abendmahlsszene des neu restaurierten Schmöllner Altars zeigt in eindrucksvoller Weise, dass beim Heiligen Abendmahl nicht der Sättigungseffekt im Vordergrund steht, sondern Gemeinschaft und Zuwendung, Liebe und Vergebung als die grundlegenden Momente, die uns am Leben halten und unser Leben lebenswert machen. 

 

Zu den Themen Gemeinschaft und Liebe haben wir uns während der diesjährigen Bibelwoche in Wollin, Sommersdorf und Penkun ausgetauscht. 

Zu Texten aus dem Hohelied Salomos äußerten sich die Teilnehmenden in vielen Gesprächsbeiträgen übereinstimmend: Der Reichtum unseres Lebens liegt weder in der Fülle von Speisen auf dem Tisch noch im materiellen Besitz, sondern vielmehr im liebenden Blick auf die Menschen und Dinge, die uns geschenkt sind. Dass wir Liebe erfahren und Liebe weitergeben dürfen. 

 

„Siehe, meine Freundin ist schön… Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein… Wenn der Tag verweht und die Schatten fliehen, will ich zum Myrrhenberg gehen, zum Weihrauchhügel. Alles an Dir ist schön, meine Freundin… . (Hohelied 4, 1+5+6+7) 

 

Von beeindruckender Schönheit sind die Verse aus dem Alten Testament. Sehnsuchtsvoll und mit Begeisterung drücken sie in poetischer Weise die Empfindungen der Liebenden aus. Sie beschreiben, dass jede geglückte Liebesbeziehung darauf angewiesen ist, dass Zeit und Ort für beide Beteiligten passen. Liebe ist nichts Statisches. Sie ist ein Suchen nacheinander und eine Bewegung aufeinander zu. Solche erotischen Phantasien hätten wir aus der Bibel nicht erwartet. Das wirft die Frage auf: Warum steht dieser Text in der Bibel? Wohl deshalb, weil alle menschliche Liebe ein Abbild der Liebe Gottes ist! Aber: Erkennen wir das auch? 

 

Um zum Geliebten zu kommen, würden wir alle unendlich weiten Wege auf uns nehmen. Doch wie sieht es mit unserer Liebe zu Gott aus? Manchmal ist da schon der Weg zur zweihundert Meter entfernten Kirche zu weit. 

 

Gläubige Menschen aller Zeiten haben in den Bildern des Hohelieds vom Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen, die liebende Verschmelzung der menschlichen Seele mit Gott, als den Urgrund unseres Seins, gesehen. 

 

Als Christen glauben wir: Gott sieht uns Menschen mit den Augen der Liebe an. Eine Liebe wie Jesus sie vorgelebt hat, die bis zum Äußersten geht! Die Frage an uns gerichtet lautet: Wie erwidern wir diese Liebe? Die überwältigende Kraft der Liebe wird im Schlusskapitel mit den Worten zusammengefasst: „Trage mich wie ein Siegel auf dem Herzen, … denn stark wie der Tod ist die Liebe.“ (Hld. 8, 6) Unsere menschliche Liebe in all ihrem Facettenreichtum ist nur ein schwaches Abbild der viel größeren Liebe Gottes, die in umfassender Weise alles umschließt, was bei uns auf der Strecke bleibt. 

 

Eine gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht Ihnen 

 

Ihr Pastor